Fünf Fachgeschäfte in sechs Jahren: Doreen Minnerop von Hörwelt Minnerop im Vogtland zählt nicht nur zu den erfolgreichsten GründerInnen bei der BestAkustik, sondern auch zu den ersten. Ihre Geschichte zeigt eindrucksvoll, was mit einem starken Willen, einem konstanten Team und einem tiefen Netzwerk möglich ist. Selbst ein gesprengter Laden hält sie dabei nicht auf.
Doreen Minnerop im Austausch mit Florian Lohmeir.
Ein sonniger Donnerstagvormittag Ende Juni in Klingenthal − einem der bekanntesten Wintersportorte in Mitteldeutschland, direkt an der Grenze zu Tschechien. Während die große Kreisstadt langsam erwacht, steht Doreen Minnerop schon in ihrem Laden. Es ist bereits das fünfte Fachgeschäft, das die Hörakustikmeisterin innerhalb von sechs Jahren im Vogtland eröffnet hat. "Es war nie das Ziel, so zu expandieren. Das hat sich einfach so ergeben und ich hab die Chance genutzt", erklärt die 47-Jährige.
Vor sieben Jahren war es noch eine andere Ausgangssituation. Doreen Minnerop hatte gerade bei ihrem damaligen Arbeitgeber gekündigt − als bekannt wurde, dass dieser an einen Großfilialisten verkauft wird. Konkrete Gründergedanken gab es schon, doch auf welche Unterstützung sollte sie bauen?
Über ihr Netzwerk wurde Florian Lohmeir und die BestAkustik empfohlen. Damit zählt auch Doreen Minnerop zu den ersten Gründerberatungen der damals noch jungen Verbundgruppe. "Ob der Businessplan als wertvolle Grundlage, die ersten Marketing-Maßnahmen mit to.eyes oder die Konzepte für die Positionierung wie Im-Ohr-Spezialist und DEIN BASSS, das ist ein Gesamtpaket, was mir in den ersten Jahren sehr geholfen hat", ist die Hörakustikmeisterin dankbar.
Die Hörwelt-Filialen im Vogtland
Im Januar 2020 machte sich Doreen Minnerop mit zwei Geschäften in Auerbach und Reichenbach selbständig. Zum Jahresende folgte in Treuen Geschäft Nr. 3 − eine günstige Gelegenheit wegen Geschäftsaufgabe. Ende Juli 2025 kam die Filiale in Zwickau-Planitz hinzu. Seit Ostern dieses Jahres ist die Hörwelt Minnerop nun in Klingenthal (siehe Foto) vertreten − dort hat die Unternehmerin das Geschäft eines Großfilialisten übernommen, der sich aus der Stadt zurückgezogen hat.
Was macht die Unternehmerin so erfolgreich?
Für Doreen Minnerop sprechen drei wesentliche Gründe: Personal, Netzwerk & Willen. Faktor Team: Über alle Standorte verteilt hat sie neun Mitarbeiterinnen und zwei Auszubildende. Ihr Vorteil: In den vergangenen Jahren hat die Hörakustikmeisterin Kolleginnen um sich versammelt, mit denen sie bereits früher zusammengearbeitet hat und ihr die Treue halten. "Und die selbst ja schon 20 - 30 Jahren an den jeweiligen Standorten bekannt sind. Das macht ganz viel aus", weiß Minnerop.
Ein weiterer Pluspunkt ist das Netzwerk, welches die Unternehmerin über Jahre hinweg aufgebaut und ihr die Bekanntheit eingebracht hat. Neben ihren Engagements bei der IHK und dem Prüfungsausschuss in Lübeck setzt sie sich als Initiatorin der Fit & Vitalmesse in Auerbach auch aktiv für das wirtschaftliche Wachstum in der Region ein. Zudem gehört die 47-Jährige der Initiative "Frauen unternehmen" an − einem deutschlandweiten Zusammenschluss von über 40 Unternehmerinnen, welcher vom Bundeswirtschaftsministerium ins Leben gerufen wurde.
"Doreen, die haben den Laden gesprengt!"
Am beeindruckendsten aber ist, wie die Hörakustikmeisterin mit Herausforderungen umgeht. Sei es eine kurzfristige Finanzierungslücke nach einem geplatzten Deal mit der Bank in der Gründerphase, der Corona-Lockdown zwei Monate nach Eröffnung der ersten beiden Fachgeschäfte oder die finanziellen Auswirkungen für Unternehmen durch den Ukraine-Krieg − all das wird noch einmal durch Zwickau getoppt.
Genau eine Woche nach der Eröffnung ihres vierten Ladens erhielt sie Samstagfrüh einen Anruf ihrer Kollegin Nadine Schneider: "Doreen, die haben den Laden gesprengt." Was war passiert? Im Gebäude war ein Geldautomat. Die mutmaßlichen Räuber − einer bereits gefasst, zwei noch flüchtig − haben diesen in der Nacht zum Samstag so gesprengt, dass bei der Detonation auch der komplette Laden zerstört wurde und das gesamte Gebäude über mehrere Monate Jahr saniert werden musste.
"Was willste machen? Kopf in den Sand stecken ist keine Option", gibt sich Minnerop kämpferisch. So wurde gleich danach ein Container für den Übergang bestellt, um weiter versorgen zu können. "Was Zwickau aber auch gezeigt hat, wie groß die Unterstützung war, seitens der Hersteller oder BestAkustik. Das macht deutlich, dass der Zusammenhalt in der Branche funktioniert", ist die Unternehmerin dankbar.
Es kommt auf die Einstellung an
Auch der Umgang mit anderen Herausforderungen zeigt, wie pragmatisch Doreen und ihr Team diese anpacken. Im Corona-Lockdown − frisch nach der Öffnung der ersten beiden Geschäfte − hatte sie über 50.000 Flyer durch die Agentur to.eyes drucken lassen und in der Region verteilt. "Da haben wir das Gefühl gehabt, wenigstens etwas tun zu können. Für die Bekanntheit hat es sich ausgezahlt, gerade im Hinblick auf die Ketten", erinnert sich Minnerop.
Ein aktuelles Problem beispielsweise ist der Mangel an HNO-Ärzten in der Region. Auch hier denkt sie weiter und hat sich mit dem Cerumen-Management ein Alleinstellungsmerkmal aufgebaut.
In sechs Jahren ist viel passiert. Nichts aber, was die Hörakustikmeisterin im Rückblick an der Entscheidung hätte zweifeln lassen. "Ich würde so alles noch einmal machen."
14. November, Würzburg: Kostenloser Info-Tag für Gründer
Ob angehende, Jung- oder langjährig erfahrene MeisterInnen: Wer die Existenzgründung in der Hörakustik plant, sollte vorab umfassend informiert sein. Worauf es beim Einstieg in die Selbstständigkeit ankommt, das erfahren die Interessierten beim "Meisterplan" − dem kostenlosen Info-Tag von BestAkustik − am Samstag, 14. November 2026, in Würzburg (10 bis 16 Uhr).
Andreas Schloder